Incels, Alphas, Bosstransformation - Soldatische Männlichkeit und digitaler Faschismus

Incels, Alphas, Bosstransformation - Soldatische Männlichkeit und digitaler Faschismus

Wann:
Wo: Würtembergischer Kunstverein Stuttgart, Schlossplatz 2

Antifeminismus ist integraler Bestandteil von Rechtsextremismus - und gleichzeitig gesellschaftlich omnipräsent. Da die patriarchale Vorherrschaft nach wie vor auf der Ausbeutung und Abwertung von Frauen und queeren Menschen basiert, begreifen Ich-schwache Männer feministische Emanzipation als Angriff nicht nur auf ihre Herrschaft, sondern auf ihre konkrete Persönlichkeit. Diese gekränkte Männlichkeit wird momentan vor allem über das Internet aufgefangen und bestätigt. Antifeministische Influencer wie der wegen Menschenhandel angeklagte Andrew Tate und misogyne Hasskampagnen machen Frauenhass als Meme und kollektive Unterhaltung salonfähig. Die AfD, die Junge Alternative und ihnen nahestehende Gruppierungen wie die Identitäre Bewegung verwenden gezielt antifeministische Inhalte als Radikalisierungs- und Rekrutierungsinstrument und: Faschistische Männlichkeitsbilder gelten hier als Heilsversprechen gegen die Kränkungen und Ohnmacht der Moderne. Das Ziel der digitalen Gewalt: Betroffene dafür bestrafen, sich öffentlich feministisch zu äußern - und sie zum Schweigen zu bringen. Oftmals verbleibt diese Gewalt jedoch nicht nur im digitalen Raum, sondern wird konkret: in antifeministischer Politik, sexueller Gewalt, bis hin zum Terror. In den Manifesten rechtsterroristischer Attentäter finden sich ausnahmslos Bezüge auf Antifeminismus, und mit der Incel-Subkultur, deren Anschläge bereits über 100 Menschen ermordet und verletzt haben, existiert eine spezifisch misogyne Form von Terrorismus. Der Vortrag wird Zusammenhänge, Mechanismen und Funktionen misogyner Online-Gewalt aufzeigen und in einen gesamtgesellschaftlichen Kontext setzen - denn diese Gewalt ist keine Ausnahmeerscheinung patriarchaler Verhältnisse, sondern ihre logische Zuspitzung.

Die Veranstaltung findet in Kooperation mit der Rosa Luxemburg Stiftung Baden-Würtemberg statt.

Mit: Veronika Kracher
Veronika Kracher beschäftigt sich mit der Incel-Subkultur, der Alt-Right, Imageboards wie 4chan und Rechtsterrorismus. Weitere Forschungsschwerpunkte sind Feminismus und Patriarchatskritik, Antisemitismus, Literaturtheorie und Popkultur. 2020 veröffentlichte sie das Sachbuch „Incels. Geschichte, Sprache und Ideologie eines Online-Kults“. Sie publiziert regelmäßig u. a. in „konkret“, „Jungle World“, „Neues Deutschland“ und „Antifaschistisches Infoblatt“.
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