Intervention #15: Fernempfangsstelle Solitude
Das Citizen.KANE.Kollektiv präsentiert am 13.4.2026 um 19.30 Uhr die Intervention #15: Fernempfangsstelle Solitude. Diese Listening Session mit Gespräch mit Niki Matita sowie Janka Kluge findet im Ladenlokal des Citizen.KANE.Kollektivs in der Böheimstraße 7 statt.
Die Künstlerin Niki Matita begibt sich auf Spurensuche: Wer war der Stuttgarter Rudolf „Rolf“ Formis, der 1928 eine spektakuläre Fernempfangsstelle auf Schloss Solitude installierte? War er Funkpionier oder Radiobastler? Jude oder Nationalsozialist? Oder alles gleichzeitig? Formis emigrierte 1934 nach Prag, wo er für die rechte Widerstandsgruppe „Schwarze Front“ einen geheimen Kurzwellensender baute und Propaganda ins Deutsche Reich sendete. In der Nacht vom 23. Januar 1935 wurde er von einem SS-Kommando in Slapy nad Vltavou bei Prag ermordet.
In ihrem Hörstück “Fernempfangsstelle #1” verbindet Niki Matita künstlerische Recherche, Archivarbeit und spekulative Klangkunst. Da kaum originale Tonaufnahmen aus der Solitude-Fernempfangsstelle existieren, nähert sie sich der Geschichte über Dokumente aus Bibliotheken und Archiven sowie akustischen Rekonstruktionen. Entstanden ist eine vielschichtige Arbeit über frühe Radiotechnik, internationale Netzwerke, politische Instrumentalisierung des Rundfunks und die widersprüchliche Lebensgeschichte eines Radiopioniers.
Im Anschluss an die Präsentation des Hörstücks sprechen Niki Matita und Janka Kluge über Rudolf Formis und seinen Widerstand von rechts. Dabei wird auch Widerstand von links und die Einordnung des neuen Massenmediums Radio in der Zeit des Nationalsozialismus thematisiert. Ein Gespräch über künstlerische Forschung, Zufallsfunde und Leerstellen im Archiv.