Hegel und die Revolution
1789: Enthusiastisch feiert der Student Hegel mit seinen Tübinger Kommilitonen die Französische Revolution. Sie organisieren sich in einem radikalen und konspirativen Club, um in Deutschland „Freiheit und Gleichheit wie bei den Franzosen einzuführen“. Zehn Jahre später sind die revolutionären Kreise in Württemberg gut organisiert und planen den Umsturz. Hegel, mittlerweile in Frankfurt, wird beauftragt, ein geheimes Schreiben an die französische Regierung weiterzuleiten. Paris soll Militär nach Württemberg schicken, um den dortigen Revolutionären zur Seite zu stehen. Doch als die Revolution in Frankreich scheitert und Napoleon an die Macht kommt, kippt auch Hegel. Seine politischen Sympathien gehen zuerst auf Napoleon über, dann auf Preußen. Er entwickelt eine Systemphilosophie, die nunmehr die moderne Herrschaftsordnung als Vernunft und Freiheit glorifiziert. So „ausgerüstet“ geht er nach Berlin und avanciert dort zum preußischen Staatsphilosophen.
Der Vortrag wird ausgewählte Stationen von Leben und Werk vorstellen und an diesen Widerspruch Hegels zwischen Revolution und Affirmation darlegen: sein Projekt radikaler Befreiung, das in eine auch für uns noch kommende Zukunft weist, und seine Legitimation der modernen Herrschaftsordnung – die sich jedoch der schonungslos realistischen Darstellung ihres Gewaltzusammenhangs bedient. Radikal zeitgemäß ist Hegel nur mit beiden dieser Extreme. Darum konnten Karl Marx, Rosa Luxemburg, die Kritische Theorie an seine Dialektik anknüpfen. Sie hat bis heute nichts von ihrer kritischen revolutionären Energie verloren.