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UID:713950d0-ddc8-43de-808b-0ecc553ce490
SUMMARY:Der Antiziganismus der „sauberen Deutschen“
DTSTART:20211125T183000Z
URL:https://eintopf.info/event/713950d0-ddc8-43de-808b-0ecc553ce490
DTEND:20211125T193000Z
DESCRIPTION:Unter Parolen wie „Deutschland den Deutschen! Ausländer
  raus!“ belagerte im August 1992 ein Bündnis aus Rostocker
  Anwohner*innen und eigens zu diesem Anlass angereisten Nazis die Zentrale
  Aufnahmestelle für Asylbewerber*innen (ZASt) und das Wohnheim
  vietnamesischer Vertragsarbeiter*innen. Mehr als hundert Vietnames*innen
  und antifaschistische Unterstützer*innen entgingen dem Tod in dem
  brennenden Haus nur knapp.\n\nÜber die immense Bedeutung des Pogroms von
  Lichtenhagen für den Rassismus des wiedervereinten Deutschlands ist man
  sich – zumindest in der gesellschaftlichen Linken – im Grunde
  genommen einig. Dass jene Ausschreitungen jedoch vor allem das Ergebnis
  der antiziganistischen Gerüchte und Ressentiments waren\, mit denen
  Politik und Medien bereits seit 1990 gegen asylsuchende Rumän*innen
  hetzten und die Debatte über den „Asylkompromiss“ befeuerten\, ist
  weitestgehend unbekannt.\n\nBereits 1990 wusste man in Zeitungsartikeln
  und Leserbriefen genauestens zu berichten\, wie diejenigen\, denen unter
  der rassistischen Fremdbezeichnung ‚Zigeuner‘ ein kollektives So-Sein
  zugeschrieben wurde\, so seien: In einem Artikel hieß es gar\, sie
  hätten die durch Steuergelder finanzierten Möbel der ZASt auf dem
  Balkon aufgetürmt\, daraus ein Lagerfeuer gemacht und eine Möwe
  gegrillt. Ihnen wurde alles angelastet: Die schlechte Obsternte\, das
  tote Schaf\, das im Wald gefunden wurde\, jeder Diebstahl im Supermarkt\,
  selbst das flaue Gefühl im Magen\, wenn man auf dem Weg zur Arbeit an
  bettelnden Kindern vorbeigehen musste. Es herrschte Einigkeit in
  Politik\, Medien und unter den Anwohner*innen: Die Asylbewerber*innen aus
  Osteuropa sollten weg.\n\nAuf der Grundlage einer Auswertung von über
  600 Lokalzeitungsartikeln widmet sich der Vortrag einerseits einer
  sozialpsychologischen Untersuchung jenes Antiziganismus\, der die
  Asylbewerber*innen kollektiv zur Negativfolie der fleißigen und sauberen
  Deutschen machte. Andererseits soll das Pogrom als konformistisches und
  massenpsychologisches Phänomen gedeutet werden\, hinter dem sich der
  Wunsch verbarg\, endlich wieder richtig deutsch sein zu dürfen.\n\nDie
  Frage\, weshalb die antiziganistischen Dimensionen des Pogroms nahezu
  völlig unbekannt sind\, führt uns auch zur Diskussion der brennenden
  Aktualität antiziganistischer Zustände. Denn während in Deutschland in
  Anbetracht der EU-Freizügigkeit über eine vermeintliche „Einwanderung
  in die Sozialsysteme“ und „Sozialschmarotzertum“ sinniert wird und
  sich in Städten wie Berlin\, Duisburg oder Halle Bürgerinitiativen
  gegen vermeintliche „Problemhäuser“ gründen\, ist eines klar:
  Sowohl die Gewaltbereitschaft des Antiziganismus als auch die Ignoranz
  gegenüber dieser findet sich nicht nur am rechten Rand\, sie ist in der
  Mitte fest verankert.\n\nMerle Stöver ist Sozialarbeiterin und
  Antisemitismusforscherin. Zu ihren wissenschaftlichen und politischen
  Schwerpunkten gehören Feminismus und die Kritik des Antisemitismus und
  des Antiziganismus.
LOCATION:Online\, Aufgrund der Pandemielage online:
  http://emafrie.de/der-antiziganismus-der-sauberen-deutschen/
ORGANIZER:mailto:Emanzipation und Frieden,Merle Stöver
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SUMMARY:Der Antiziganismus der „sauberen Deutschen“
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DESCRIPTION:Unter Parolen wie „Deutschland den Deutschen! Ausländer
  raus!“ belagerte im August 1992 ein Bündnis aus Rostocker
  Anwohner*innen und eigens zu diesem Anlass angereisten Nazis die Zentrale
  Aufnahmestelle für Asylbewerber*innen (ZASt) und das Wohnheim
  vietnamesischer Vertragsarbeiter*innen. Mehr als hundert Vietnames*innen
  und antifaschistische Unterstützer*innen entgingen dem Tod in dem
  brennenden Haus nur knapp.\n\nÜber die immense Bedeutung des Pogroms von
  Lichtenhagen für den Rassismus des wiedervereinten Deutschlands ist man
  sich – zumindest in der gesellschaftlichen Linken – im Grunde
  genommen einig. Dass jene Ausschreitungen jedoch vor allem das Ergebnis
  der antiziganistischen Gerüchte und Ressentiments waren\, mit denen
  Politik und Medien bereits seit 1990 gegen asylsuchende Rumän*innen
  hetzten und die Debatte über den „Asylkompromiss“ befeuerten\, ist
  weitestgehend unbekannt.\n\nBereits 1990 wusste man in Zeitungsartikeln
  und Leserbriefen genauestens zu berichten\, wie diejenigen\, denen unter
  der rassistischen Fremdbezeichnung ‚Zigeuner‘ ein kollektives So-Sein
  zugeschrieben wurde\, so seien: In einem Artikel hieß es gar\, sie
  hätten die durch Steuergelder finanzierten Möbel der ZASt auf dem
  Balkon aufgetürmt\, daraus ein Lagerfeuer gemacht und eine Möwe
  gegrillt. Ihnen wurde alles angelastet: Die schlechte Obsternte\, das
  tote Schaf\, das im Wald gefunden wurde\, jeder Diebstahl im Supermarkt\,
  selbst das flaue Gefühl im Magen\, wenn man auf dem Weg zur Arbeit an
  bettelnden Kindern vorbeigehen musste. Es herrschte Einigkeit in
  Politik\, Medien und unter den Anwohner*innen: Die Asylbewerber*innen aus
  Osteuropa sollten weg.\n\nAuf der Grundlage einer Auswertung von über
  600 Lokalzeitungsartikeln widmet sich der Vortrag einerseits einer
  sozialpsychologischen Untersuchung jenes Antiziganismus\, der die
  Asylbewerber*innen kollektiv zur Negativfolie der fleißigen und sauberen
  Deutschen machte. Andererseits soll das Pogrom als konformistisches und
  massenpsychologisches Phänomen gedeutet werden\, hinter dem sich der
  Wunsch verbarg\, endlich wieder richtig deutsch sein zu dürfen.\n\nDie
  Frage\, weshalb die antiziganistischen Dimensionen des Pogroms nahezu
  völlig unbekannt sind\, führt uns auch zur Diskussion der brennenden
  Aktualität antiziganistischer Zustände. Denn während in Deutschland in
  Anbetracht der EU-Freizügigkeit über eine vermeintliche „Einwanderung
  in die Sozialsysteme“ und „Sozialschmarotzertum“ sinniert wird und
  sich in Städten wie Berlin\, Duisburg oder Halle Bürgerinitiativen
  gegen vermeintliche „Problemhäuser“ gründen\, ist eines klar:
  Sowohl die Gewaltbereitschaft des Antiziganismus als auch die Ignoranz
  gegenüber dieser findet sich nicht nur am rechten Rand\, sie ist in der
  Mitte fest verankert.\n\nMerle Stöver ist Sozialarbeiterin und
  Antisemitismusforscherin. Zu ihren wissenschaftlichen und politischen
  Schwerpunkten gehören Feminismus und die Kritik des Antisemitismus und
  des Antiziganismus.
LOCATION:Online\, Aufgrund der Pandemielage online:
  http://emafrie.de/der-antiziganismus-der-sauberen-deutschen/
ORGANIZER:mailto:Emanzipation und Frieden,Merle Stöver
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